Vergangenheit und Zukunft unserer Dorfschule

Von Heinrich Henrichs

Uns allen bekannt ist die sogenannte „Alte Schule“ mit vier Klassenräumen, gebaut etwa 1930. Vorgänger dieser Schule war ein Haus an der Ecke Schwanenhofstraße – Marienstraße direkt gegenüber der Kirche. In diesem Haus war ein Klassenraum, es wohnte dort der Küster der auch gleichzeitig Lehrer war ohne Besoldung. Dieses Haus wurde dann später abgerissen und durch einen zweigeschossigen, ortsprägenden Backsteinbau ergänzt. Das Haus wurde später der Kirche gestiftet und diente als Wohnung für die Kapläne und Lehrer, deshalb für uns alle bekannt als „Die Kaplanei“. In dieser „Kaplanei“ wohnen heute die Familien Karl Schlusen und Frank Leygraf.

Immer mehr Kinder wollten in den nächsten Jahren die Schule besuchen. Es wurde ein neues Schulgebäude erforderlich welches dann an der Marienstraße erstand, zuerst mit zwei Klassenräumen dann später in einem Anbau ein dritter Klassenraum. Wo dann später die oben erwähnte Schule an der Straße „Schulplatz“ gebaut wurde, wurde das Haus an der Marienstraße von dem Kaufmann Norbert Sieger gekauft. Heute wohnt dort die Familie Evers.

In der damals neuen Schule waren vier Klassenräume für acht Jahrgänge, jeweils zwei Jahrgänge in einer Klasse. Es waren zeitweise ca. 150 Kinder in dieser Schule, d.h es wurden manchmal 40-50 Kinder in einer Klasse unterrichtet.

Dieser Zustand hat den damaligen Gemeinderat bewogen, die Schule zu erweitern. 1963/1964 wurde ein Erweiterungsbau erstellt mit weiteren drei Klassenräumen, Turnhalle, Toilettentrakt, Lehrerzimmer, Sekretariat und eine moderne Schulküche. Nun konnte ein geordneter Schulbetrieb mit jeweils vier Lehrpersonen in Ginderich stattfinden.

1975 kam die kommunale Neuordnung und die Gemeinde Büderich-Ginderich wurde zu Wesel geschlagen. Die Büdericher und Gindericher waren über Nacht, gewollt oder nicht gewollt, Weseler geworden. Im Laufe der Jahre änderten sich die Schulformen. Die Volksschulen wurden zur Grundschule (Klasse 1-4) und zur Hauptschule (Klasse 1-9) eingeteilt. Die Gindericher Schule wurde zur „Katholischen Grundschule“ ernannt. In den folgenden Jahren gingen die Schülerzahlen auf Grund des demographischen Wandels immer weiter zurück, so das im Jahre 2007 der „Grundschulverbund Büderich-Ginderich“ gegründet wurde.

Im Jahre 2014 kam dann der endgültige Todesstoß des Schulstandortes Ginderich. Dieser hart umkämpfte politische Beschluss wurde, nach Meinung des Berichtverfassers ohne Not getroffen. Nun – es ist wie es ist, wir müssen die Fakten akzeptieren, schauen wir in die Zukunft.

Aus dem KO-Ausschuss bzw. aus dem Arbeitskreis „Dorfschmiede“ haben sich Personen gemeldet, die dann ein Konzept entwickelt haben die Immobilie „Dorfschule“ mit neuem Leben zu fülllen. Dieses Schulgebäude mit Altbau, Neubau, Turnhalle und Außengelände soll in Zukunft ein Zentrum werden für alle Bürger aus Ginderich, Werrich, Perrich, Gest, Büderich und der ganzen Region. Das Nutzungskonzept ist kompetent mit vielen Ideen ausgearbeitet und soll der Bevölkerung aller Altersgruppen dienlich sein.

Neben Kunst und Kultur, Sport und Gesundheit, Soziales und Mobilität, Brauchtumspflege, Kinder- Jugend- und Altenhilfe stehen viele Themen im Angebot. Es soll ein Dorf – bzw. Bürgerbüro eingerichtet werden, welches alle diese Angebote konzentriert und koordiniert. Ein Verein hat sich gegründet mit dem Namen „Dorfschule Ginderich e.V.“.

Sprecher diese Vereines sind Herbert Wesely, Marienstraße 1, und Marie- Therese Bauer, Marienstraße 3. Dieser Verein hat eine Herkulesaufgabe übernommen. Es wird eine lange Anlaufzeit und einen langen Atem brauchen, bis das ganze Konzept greift. Es braucht aber auch die volle Unterstützung aller Einwohner. Es braucht aber auch Geld. Über die Beschaffung der erforderichen finanziellen Mittel muss der Verein mit der Stadtverwaltung Wesel, als Eigentümerin dieser Immobilie und mit nationalen und europäischen Geldgebern kooperieren und positiv verhandeln. Es gibt Geldtöpfe, die für Dorfentwicklung und Infrastrukturmaßnahmen bereit stehen. Die müssen nur beantragt und abgerufen werden. Ich sage immer „ohne Antrag keine Rente“.

Wünschen wir dem Verein „Dorfschule Ginderich e. V.“ Ausdauer, Mut und Gottes Segen, es ist eine Chance für unser Dorf.

Quellen:
1) Festzeitschrift Junggesellenbruderschaft 1968, Bericht von Peter Kosten
2) Broschüre „Unser Ginderich“ verfasst von der letzten Klasse 3c der Schule Ginderich